Kettenkarussell

von farbenmaedchen

Nach scheinbar endlos langer Zeit wieder das Gefühl haben voranzukommen. Langsam setzt sich etwas in Bewegung, wird stetig schneller. Den Boden unter den Füßen schon lange verloren, vergesse ich die Welt um mich herum. Ich hebe die Arme in die Luft, spüre den Fahrtwind in meinem Gesicht, das Kribbeln in meinem Bauch, während sich alles um mich herum schneller und schneller bewegt.
Unscharfe Bilder zischen an mir vorüber, ich schnappe Teile eines belanglosen Gesprächs auf.
Alles dreht sich.

Die Welt um mich herum fliegt an mir vorbei. Ich muss mich konzentrieren, um sie bewusst wahrnehmen zu können. Mir wird schwindlig, meine Schläfen pochen.
Bin ich es etwa selbst, die sich ununterbrochen im Kreis dreht und doch stets auf der Stelle geht?
Ich möchte, dass es aufhört, möchte die Kontrolle zurück, aber alles scheint nur noch hektischer zu werden. Menschen, die ununterbrochen auf mich einreden, Listen, die länger und länger werden.

Die Sonne geht langsam unter, verschwindet Stück für Stück hinter den Bergen. Alles was sie hinterlässt ist ein rot beleuchtetes Wolkenmeer, das träge am Himmel vorüberzieht.
Die Welt um mich herum wirkt plötzlich, als hätte jemand den Kontrast verstellt, damit ich wieder klarer sehen kann. Menschen fliegen nicht mehr einfach an mir vorüber, sie schlendern Einkaufspassagen, Landstraßen und Trampelpfade entlang. Einige lächeln schüchtern oder nicken mir zu.

Ich spüre, wie sich Arme um meine Taille schließen, zucke verwirrt zusammen, um gleich darauf von einem überwältigenden Gefühl von Wärme durchflutet zu werden. Ein Gesicht drückt sich sanft in meine Haare, eine vertraute Stimme flüstert mir etwas ins Ohr.
Und meine Welt steht wieder still.